#gelebteInklusionimTennis

Der TNB hat als erster Landesverband im Deutschen Tennis Bund ein Konzept mit dem Titel „Inklusion im TNB“ verabschiedet, das in den letzten Monaten und Jahren Schritt für Schritt umgesetzt wurde und weiterhin umgesetzt wird.
 
Viele Vereine wissen nicht, wie Inklusion im Verein funktionieren könnte. Dabei birgt die Tennislandschaft mit all ihren Verbänden und Vereinen als bedeutender Akteur des organisierten Sports viele Chancen und Möglichkeiten, innerhalb seiner Strukturen für das Thema Inklusion zu sensibilisieren und die Integration von Menschen, die bislang nicht zur klassischen Tennis-Klientel gehörten, zu fördern. Für Vereine eröffnen sich zahlreiche Perspektiven, Chancen und Potenziale, das Vereinsleben zu erweitern und zu bereichern, wenn sie sich inklusiv strukturieren.

Unsere Disziplinen

    Erfunden wurde das Rollstuhltennis 1976 von dem Amerikaner Brad Parks. Seit 1992 ist es paralympisch und seit 1998 schließlich offizieller Teil der International Tennis Federation (ITF). Regeln und Material: Rollstuhltennis wird nach offiziellen ITF-Regeln gespielt. Die einzige Modifikation ist, dass der Ball zweimal aufspringen darf, wobei der erste Kontakt im regulären Feld sein muss. Benötigt wird ein Sportrollstuhl, der entgegen der herrschenden Vorurteile den Sandplatz nicht im Geringsten beschädigt. Vermittlungswege: verbal/akustisch – visuell/optisch – taktil/kinästhetisch. Trainingsimpuls Koordination: Das permanente Fahren mit dem Schläger in der Hand, eine hohe Mobilität und rasante Beschleunigung sind wesentlich für das Rollstuhltennis. Fahrt- und Koordinationstraining muss daher zu jeder Einheit gehören. - Der Sportler startet an einem Hütchen, ca. einen Meter hinter der Grundlinie - Von der anderen Seite bringt der Trainer Bälle ins Spiel und ruft jeweils deutlich, wie oft der Ball aufspringen darf, bis der Spieler ihn erreicht haben soll. - Viermal wiederholen, immer zurück zum Hütchen, nie gänzlich zum Stehen kommen. Trainingsimpuls Grundschläge: Treffpunkt und Bewegungsrichtung in der Hauptaktion der Grundschläge sind aus dem Rollstuhl heraus nahezu identisch. Ein signifikanter Unterschied ist die Arbeit der unteren Extremitäten und des Rumpfes, die entsprechend durch Rotation des Sportrollstuhls vollzogen wird. Jede gängige Übung kann für Rollstuhltennis adaptiert werden. - Der Trainer bringt mit einem Aufschlag von der T-Linie den Ball cross ins Spiel - Der Rollstuhlfahrer startet einen Meter hinter der Grundlinie. Sobald der Ball angeworfen wird, macht er die ersten Schübe ins Feld und orientiert sich zur Vor- bzw. Rückhand - Mit dem Schlag rotiert er Richtung Grundlinie, sodass sich ein Ballwechsel entwickeln kann.    Weitere Informationen und Fördermöglichkeiten erhalten Sie beim Deutschen Tennis Bund und der Gold-Kraemer-Stiftung.
    Auch mit Seheinschränkung kann man Tennis spielen. Sehende, sehbehinderte und blinde Spieler können antreten, auf einem verkleinerten Feld, mit einem rasselnden Ball und Linien, die mit den Füßen fühlbar sind. Kategorien: Für Wettkämpfe werden blinde und partiell sehende Sportler von ausgebildeten Klassifizierern oder Ärzten der „International Blind Sports Federation“ beziehungsweise des nationalen Behindertensportverbandes in Kategorien eingeteilt. Gemessen werden dabei zum Beispiel unterschiedliche Stufen der Sehschärfe. Grundsätzlich lassen sich drei Kategorien folgendermaßen einteilen und grob beschreiben: - B1: Vollblind - B2: Partiell sehend, wenig Sehrest  - B3: Partiell sehend, etwas mehr Sehrest als B2 - Alle B1-Spieler müssen bei Wettkämpfen eine standardisierte paralympische Augenmaske tragen. Tennisregeln: Es gelten die normierten Regeln der „International Tennis Federation“. Zusätzlich: Das Vollieren ist verboten (bei einigen Turnieren wird diese Regel im Einverständnis der Spieler gelockert). Trifft ein Ball einen Spieler, ohne vorher den Boden berührt zu haben, innerhalb des Feldes, bekommt der Gegner den Punkt. Trifft ein Ball einen Spieler außerhalb des Feldes, bekommt der Spieler den Punkt. Aufschlag: Um zu signalisieren, dass es „losgeht“, geht jedem Aufschlag die Phrase voraus: Aufschläger: „Ready?“ („Fertig?“) Rückschläger: „Yes!“ („Ja!“) Aufschläger: „Play!“ („Los!“) Auftrumpfen des Balls: Auch hier gibt es verschieden Regelungen. B1 und B2: Der Ball darf bis zu drei Mal aufspringen, bis er retourniert wird. B3: Der Ball darf bis zu zwei Mal aufspringen, bis er retourniert wird. Dabei muss der erste Bodenkontakt im regulären Feld stattfinden. Platz: Es kann theoretisch in einer normalen Turnhalle oder auf einem Sportplatz trainiert werden. Professionellere Bedingungen bietet allerdings ein echter Tennisplatz. Der Belag ist hier nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, dass das akustische Umfeld nicht allzu laut ist. B1: Vollblinde Sportler spielen in einem Kleinfeld. Play&Stay „Stufe Rot“ B2 u. B3: Partiell sehende Spieler spielen im „Midcourt“ oder „3/4-Feld“. Dieser entspricht der ITF-Play&Stay-Kampagne „Stufe orange“, wobei das Feld an den Außenlinien nicht schmaler gemacht wird. Linien: Für blinde Tennisspieler müssen die das Feld nach außen und hinten begrenzenden Linien taktil erkennbar sein. Ebenso sollte der Mittelpunkt der Grundlinie gekennzeichnet werden. Das kann auf unterschiedliche Arten umgesetzt werden: Bewährt haben sich die Kombination einer Schnur, überklebt mit stabilem Tape, oder in einer Tennishalle mit Teppichboden, überklebt mit einer breiten Markierungslinie aus Klett. Ball: Die speziellen, etwas größeren und weichen Blindentennisbälle mit klingelnden Metallstiften im Kern werden zurzeit ausschließlich in Japan hergestellt und vertrieben. Es gibt sie in einer gelben und einer schwarzen Variante; je nach farblicher Beschaffung des Umfeldes und Art der Seheinschränkung können Spieler den ein oder anderen Ball besser erkennen. Eine jährliche Sammel-Bestellung der Bälle wird vom ‚Tennis für Alle‘-Projekt der Gold-Kraemer-Stiftung organisiert. Schläger: Im Training darf theoretisch jeder von der ITF genehmigte Schläger eingesetzt werden. Bei Wettkämpfen dürfen B1-Spieler mit maximal 23 Inch und B2-/B3-Spieler mit maximal 25 Inch-Schlägern spielen, was den Blindensportlern die Differenzierung des Verhältnisses Körper-Schläger-Treffpunkt-Ball erleichtert, das Spiel aufgrund geringerer Hebelverhältnisse allerdings auch etwas verlangsamt. Weitere Informationen und Fördermöglichkeiten erhalten Sie beim Deutschen Tennis Bund und bei der Gold-Kraemer-Stiftung. Niklas Höfken | Tennis für Alle Zentrum für Bewegung und Sport GmbH Paul-R.-Kraemer-Allee 100, 50226 Frechen Telefon: 0157-85965424 E-Mail: niklas.hoefken@gold-kraemer-stiftung.de
    „Deaf-Tennis“ ist eine Sparte im bereits 1919 gegründeten Deutschen Gehörlosen Sportverband. Es existieren ein Nationalteam sowie Turniere auf nationaler und internationaler Ebene, etwa die Deaflympics. Zusätzlich nimmt ein Großteil der Tennisspieler mit Hörminderung am regulären Tennisbetrieb teil. Regeln und Material: Es wird nach ITF-Regeln gespielt. Allerdings ist bei offiziellen gehörlosen- Wettkämpfen das Tragen von Hörgeräten oder Hörhilfen verboten. Vermittlungswege: visuell/optisch – taktil/kinästhetisch - verbal/akustisch (abhängig von Hörrest, Fähigkeit zum Lippenlesen usw. – nie komplett auf Sprache verzichten, sondern mit Blickkontakt, in ruhiger und Umgebung und durch visuelle Hilfen und ritualisierte Kommunikation unterstützt, einsetzen).  Trainingsimpuls Koordination: Die Ursachen von Hörschädigungen sind vielfältig. In manchen Fällen kann es zu Schwindel oder einer eingeschränkten Gleichgewichtsfähigkeit kommen. Immer ist jedoch die Reaktion auf visuelle Reize von entscheidender Bedeutung. - Der Trainer hält Tennisbälle aller vier „play & stay“-Farben in seinen Händen. Auf dem Platz liegen außerdem ein rotes, oranges, grünes und gelbes Hütchen. - Wird ein Ball angeworfen, muss der Spieler zunächst das farblich entsprechende Hütchen berühren, und anschließend den Ball fangen oder schlagen. Trainingsimpuls Grundschläge: Technisch unterscheidet sich Gehörlosentennis nicht vom Tennis der Hörenden. So kann jede Übung angewandt oder angepasst werden.  - Das gegnerische Feld ist aufgeteilt in die Zonen 1 bis 5 (z.B. Aufschlagkorridore rechts und links 1+2, durch verlängerte Mittellinie Großfeld 3+4, das Aus hinter der Grundlinie 5) - Der Trainer spielt den Ball an und zeigt kurz darauf mit seinen Fingern eine Zahl – in dieses Feld muss der Spieler schlagen - Maximal vier Wiederholungen, Jeder korrekte Treffer gibt einen Punkt.    Weitere Informationen und Fördermöglichkeiten erhalten Sie beim Deutschen Tennis Bund und bei der Gold-Kraemer-Stiftung
    Seit mehreren Jahren gibt es auch vereinzelte Tennisangebote für Menschen mit geistiger Behinderung. Diese wurden vor allem auf Privatinitiative ins Leben gerufen. Die größte Organisation im Sport für Menschen mit geistiger Behinderung ist „Special Olympics“, von der es seit 1991 auch eine deutsche Vertretung gibt. Regeln und Material: Es gelten die gängigen ITF-Regeln. Nach Grad der Lernschwäche der Sportler kann hier jedoch kreativ modifiziert werden, etwa bei der Zählweise. Die Idee der Initiative „play & stay“ kommt Menschen mit geistiger Behinderung besonders entgegen. Vermittlungswege: verbal/akustisch – visuell/optisch – taktil/kinästhetisch. Generell gilt, dass Sportler mit geistiger Behinderung uneingeschränkt konditionell und motorisch trainierbar sind. Das Training sollte gut strukturiert und von wiederkehrenden Abläufen geprägt sein. Geduld bei der Vermittlung von Technik, Taktik, Regelwerk und weiteren Komponenten sowie hohe Wiederholungszahlen spielen eine wichtige Rolle. Trainingsimpuls Koordination: Die Sensibilisierung für den eigenen Körper, Gesundheitsaufklärung und das Training von Koordination ist essentiell. Jede Übung des allgemeinen oder tennisspezifischen Athletiktrainings kann angewandt und angepasst werden. - Der Spieler muss einen Luftballon permanent in der Luft halten (mit Schläger oder Körperteilen) und parallel kleine Aufgaben bewältigen. So zum Beispiel ein Strichmännchen malen, mit dem Fuß Tore schießen oder andere Bälle zwischen Hütchen transportieren. Trainingsimpuls Grundschläge: Hier ist ein spielgemäßes Training und ganzheitliches Lernen technikorientierten Methoden vorzuziehen. - Hinter dem T-Feld wird mit Hütchen ein großes Tor aufgebaut, indem ein „Torwart“ mit dem Schläger steht. Die anderen Spieler versuchen, mittels einer Vorhand, ein Tor zu erzielen (Abstände und Torgröße anpassen, Torwart muss den Ball halten oder retournieren usw). - Wer ein Tor erzielt, wird selbst zum Torwart.   Weitere Informationen und Fördermöglichkeiten erhalten Sie beim Deutschen Tennis Bund und bei der Gold-Kraemer-Stiftung.

Dabei gilt: Ein Sportler, der im Rollstuhl sitzt und Tennis spielt betreibt Tennissport, nicht Behindertensport. Eine blinde Sportlerin, die auf dem Tennisplatz mit Unterstützung Tennis spielt betreibt Tennissport, nicht Behindertensport. Dementsprechend stellt sich der TNB der Verantwortung, perspektivisch auch für die Sportlergruppen gemeinsam mit den Tennisvereinen Sport- und Betreuungsangebote zu entwickeln bzw. zu etablieren.
 
Doch Behindertentennis ist weit mehr als Rollstuhltennis. Es gibt Blindentennis mit klingelnden Bällen, modifizierten Regeln und Linien, die durch eine starke Struktur fühlbar sind. Beim Gehörlosentennis wird nach den klassischen Regeln gespielt, das Tragen von Hörgeräten oder –hilfen ist allerdings bei Turnieren untersagt.
 
Bereits im Juni 2016 wurden in Hannover die Special Olympics, die Deutschen Meisterschaften der geistig Behinderten, ausgetragen. Auch hier werden die Regeln dem Behinderungsgrad angepasst.
 

Julian Kaffka

Inklusions- und Vereinsberatung

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Nicolas Sanchez de la Torre

Inklusions- und Vereinsberatung

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