01.04.2021 09:17 Uhr | von Sybille Schmidt

Forschungsprojekt SicherImSport

Online-Befragung bei Vereinsmitgliedern ab 16 Jahren in Niedersachsen

Der LandesSportBund (LSB) Niedersachsen und seine Sportjugend beteiligen sich mit weiteren neun Landessportbünden an der größten deutschen Breitensportstudie „SicherImSport – Sexualisierte Grenzverletzungen, Belästigung und Gewalt im organisierten Sport – Häufigkeiten und Formen sowie der Status Quo der Prävention und Intervention“.

Sie wird federführend vom Landessportbund NRW gefördert und von der Bergischen Universität Wuppertal sowie dem Universitätsklinikum Ulm durchgeführt. Die anonymisierten Forschungsergebnisse sollen mithelfen, die künftige Präventionsarbeit im organsierten Sport gemeinsam weiterentwickeln zu können. Fokus der aktuellen Studie ist der Breitensport, 2016/17 hatten die Universitäten mit der Studie „Safe Sport“ sexualisierte Gewalt im Leistungssport untersucht.

„Viele Sportvereine und Landesfachverbände haben sich im Rahmen unseres Projektes ‚Schutz vor sexualisierter Gewalt von Kindern und Jugendlichen im Sport: Prävention, Intervention, Handlungskompetenz‘ sehr für den Schutz von Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen vor Gewalt engagiert. Dennoch wissen wir aus Studien mit Leistungssportlerinnen und -sportlern, dass es weiterhin häufig auch in Sportvereinen zu Gewalt und Grenzverletzungen kommt. Bislang fehlen jedoch Studien dazu, welche Aspekte die Entstehung von sexualisierter und anderen Form von Gewalt im gemeinnützig organisierten Vereinssport begünstigen können und wie die Vereine und regionalen Verbände mit Fällen von Grenzüberschreitungen umgehen. Diesem Mangel wollen wir mit der Teilnahme an der online-Befragung entgegenwirken“, erklärt der LSB-Vorstandsvorsitzende Reinhard Rawe. Er betont auch, dass die Grenze zur Verletzung ausschließlich der Betroffene selbst definiert.

Das Forschungsprojekt gliedert sich in zwei Module. Im ersten Modul, an dem sich der LSB und seine Sportjugend beteiligen, geht es um die Erfassung von Erfahrungen sexualisierter Grenzverletzungen, sexualisierter Belästigung und Gewalt in Sportvereinen im Rahmen einer Online-Befragung von Sportlerinnen und Sportlern in Sportvereinen im Alter ab 16 Jahren.

Gefragt wird hier, ob die im LSB gestarteten Angebote des Projektes Schutz vor sexualisierter Gewalt von Kindern und Jugendlichen im Sport: Prävention, Intervention, Handlungskompetenz 2011 – 2020 bekannt sind und welche ergänzenden Hilfs- und Präventionsangebote zum Thema Gewalt und Missbraucht gewünscht werden.

Im zweiten Modul wird der aktuelle Stand der vorhandenen Maßnahmen zur Prävention und Intervention in den Landessportbünden erhoben. Auf einer qualitativen Ebene zielt dieses Modul außerdem auf die Rekonstruktion von Fällen sexualisierter Gewalt. Hierzu werden qualitative Interviews mit beteiligten Akteuren geführt und mehrperspektivisch rekonstruiert. Die gewonnenen Erkenntnisse aus verschiedenen Perspektiven sind hochgradig relevant für die Interventionspraxis.

„Die Teilnahme an dem Forschungsprojekt ist für uns ein wichtiger Baustein zur Weiterentwicklung unseres landesweiten Beratungs- und Unterstützungssystem, das wir mit den Sportbünden und lokalen Fachberatungsstellen aufgebaut haben: Wo müssen wir in den Beratungen von Vereinsvorständen noch sensibler werden?, Wie können wir Betroffene noch besser ermutigen Hilfe in Anspruch zu nehmen und wie können wir notwendige Hilfsstrukturen verbessern? Ich rufe ganz besonders die Sportjugenden und Jugendorganisationen der Landesfachverbände auf, die Info zur Befragung an die ihnen bekannten jungen Menschen weiter zu geben“, sagt Reiner Sonntag, der Vorsitzende der Sportjugend Niedersachsen.

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